Küstendynamik
Wie Seegras die Küstendynamik beeinflusst
Seegraswiesen mögen auf den ersten Blick unscheinbar aussehen. Doch sie können das Kräfteverhältnis zwischen Land, Wellen und Meer beeinflussen und so unter bestimmten Bedingungen zum Küstenschutz beitragen: Sie können Wellen bremsen, Sedimentpartikel festhalten und die Ablagerung von Sedimenten beeinflussen.
Wie aber gelingt ihnen das?

Wellen, Strömungen und Sedimente
Eines der Merkmale vieler Seegraswiesen ist die hohe Pflanzendichte. Wenn die Halme der Seegräser dicht an dicht wachsen, erhöhen sie den Widerstand, den das Wasser beim Durchströmen des Bestands überwinden muss. Dadurch können sich die Geschwindigkeit der Wasserbewegung verringern und die Bewegung von Sedimenten beeinflusst werden.
Eine geringere Strömungsgeschwindigkeit kann dazu beitragen, dass weniger Sediment vom Meeresboden aufgewirbelt und transportiert wird. Gleichzeitig können sich Schwebstoffe in Bereichen mit geringerer Wasserbewegung vermehrt ablagern. Seegraswiesen können dadurch als natürliche Sedimentfallen wirken und die Verteilung von Sedimenten im Küstenbereich beeinflussen.
Welche Auswirkungen diese Prozesse auf die Küstenerosion haben, hängt jedoch stark von den jeweiligen Standortbedingungen ab. Seegraswiesen wachsen vor allem in Bereichen, in denen die hydrodynamischen Bedingungen für ihr Wachstum geeignet sind. Ihre Wirkung lässt sich daher nicht grundsätzlich auf alle Küstenabschnitte übertragen und ersetzt keine technischen Küstenschutzmaßnahmen.
In einigen tropischen Regionen hat sich sogar gezeigt, dass Seegraswiesen zur Ablagerung von Sedimenten beitragen können. Eine wichtige Rolle spielen dabei unter anderem kalkbildende Organismen wie Kalk- und Kieselalgen, die in Seegraswiesen vorkommen. Wenn ihre Schalen und Skelette nach dem Absterben zurückbleiben, können sie Teil des Sediments werden.

Seegraswurzeln und -halme als Stabilisatoren
Sedimentpartikel, die sich in einer Seegraswiese verfangen, haben gute Aussichten, nicht von der Strömung davongespült zu werden. Seegräser verankern sich mit ihren Wurzeln und Rhizomen im Meeresboden und können dadurch die Mobilisierung von Sedimenten verringern.
Eine ähnliche Funktion können angeschwemmte Seegrashalme und organische Bestandteile am Strand übernehmen. Der Saum aus angespültem Material bremst Wellen ab, hält Sand fest und kann sogar direkt die Bildung und Stabilisierung von Dünen fördern, was für viele unter Sandabtrag leidende Küstenabschnitte von großem Vorteil ist. Zudem sind Dünen in der Regel nährstoffarme Lebensräume. In die Dünen verwehtes Seegras kann eine bedeutende Nährstoffquelle für die dort vorkommenden Pflanzen darstellen und auf diese Weise deren Ausbreitung und die einhergehende Stabilisierung der Dünen unterstützen.


Forschungsschwerpunkte
Vom Mikrobiom bis zur öffentlichen Unterstützung
Die Wiederherstellung von Seegraswiesen ist komplex. Ihr Erfolg hängt von verschiedenen biologischen, ökologischen und gesellschaftlichen Faktoren ab: In den Forschungsprojekten werden deshalb unterschiedliche Aspekte untersucht - von den Wechselwirkungen zwischen Seegras und Mikroorganismen über Kohlenstoffspeicherung und Biodiversität bis hin zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Wiederansiedlungsprojekten.
CO₂-Speicherung
Seegraswiesen können Kohlenstoff aufnehmen und einen Teil davon langfristig im Sediment speichern. Wie groß diese Speicher sind und wie sie sich nach einer Wiederherstellung entwickeln, wird unter unterschiedlichen Standortbedingungen untersucht.
Biodiversität
Seegraswiesen bieten zahlreichen Organismen Nahrung und Lebensraum. Welche Arten von ihnen profitieren und welche Rolle die Wiesen für die Artenvielfalt spielen, ist abhängig von den jeweiligen regionalen Bedingungen.
Küstendynamik
Seegraswiesen beeinflussen die Bewegung von Wasser und Sediment. Ihre Blätter können Strömungen und Wellen abschwächen, während Wurzeln und Rhizome das Sediment stabilisieren können.