CO₂-Speicher
Seegraswiesen speichern Kohlenstoff im Meeresboden
Seegräser betreiben Photosynthese. Dabei nehmen sie Kohlendioxid auf und bauen daraus organische Substanz auf. Kohlenstoff wird unter anderem in Blättern, Rhizomen und Wurzeln gebunden.
Sterben unterirdische Pflanzenteile ab, werden diese im Meeresboden nicht von Mikroorganismen zersetzt, sondern bleiben aufgrund des Sauerstoffmangels im Sediment nahezu vollständig erhalten und überdauern so unter Umständen mehrere Jahrhunderte. Gleiches gilt für Seegräser, deren Überreste von herabrieselnden Sedimentpartikeln begraben werden. Dabei können sie so effektiv sein, dass sie pro Quadratmeter 30- bis 50-mal mehr Kohlenstoff im Untergrund einlagern als vergleichbare, mit Wald bedeckte Ökosysteme an Land.
Wie viel Kohlenstoff in einer Seegraswiese gespeichert wird, hängt unter anderem von der Seegrasart, den Eigenschaften des Sediments und den Standortbedingungen ab. Auch die Tiefe und Zusammensetzung des Sediments spielen eine Rolle.
Forschungsbereich Kohlenstoffspeicherung
Untersuchungen an Wiesen des Echten Seegrases (Zostera marina) entlang der deutschen Ostseeküste zeigen, dass in den oberen 25 Zentimetern des Sediments durchschnittlich 1,92 Kilogramm organischer Kohlenstoff pro Quadratmeter gespeichert sein kann. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den beprobten Standorten.
Wie groß das Kohlenstoff-Speicherpotenzial von Seegraswiesen insgesamt ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist noch nicht vollständig erforscht. Die vorhandenen Werte lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf größere Sedimenttiefen oder andere Standorte übertragen. Viele dieser offenen Fragen werden aktuell untersucht, um detailliertere Aussagen treffen zu können.
Seegraswiesen schützen und erhalten
Der Erhalt bestehender Seegraswiesen hilft dabei, bereits im Sediment gespeicherten Kohlenstoff langfristig zu bewahren und so zum natürlichen Klimaschutz beizutragen. Wenn Seegraswiesen verschwinden, können sich die Bedingungen im Sediment verändern. Wellen und Strömungen bewegen das Sediment stärker und organisches Material kann so wieder verfügbar werden. Der darin gebundene Kohlenstoff kann anschließend wieder umgesetzt und als Kohlendioxid freigesetzt werden.
Schätzungen zufolge könnte der Verlust von Seegraswiesen weltweit mit zusätzlichen Treibhausgasemissionen verbunden sein. Für den vollständigen Verlust der weltweiten Seegrasbestände wurde in einer Studie ein mögliches Emissionspotenzial von bis zu 650 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr berechnet.
Globale Schätzungen sind jedoch mit Unsicherheiten verbunden und lassen sich nicht unmittelbar auf einzelne Regionen oder Seegraswiesen übertragen. Sie verdeutlichen vor allem die Bedeutung der Frage, unter welchen Bedingungen der in Seegrassystemen gespeicherte Kohlenstoff langfristig im Sediment erhalten bleibt.


Seegraswiesen wiederansiedeln
Die Fähigkeit von Seegraswiesen, Kohlenstoff im Sediment zu speichern, ist ein wichtiger Grund, bestehende Wiesen zu erhalten und geeignete Standorte für eine Wiederansiedlung zu untersuchen.
Dabei sollte Kohlenstoffspeicherung nicht isoliert betrachtet werden. Seegraswiesen erfüllen gleichzeitig weitere ökologische Funktionen: Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Arten, beeinflussen die Eigenschaften des Sediments und können zur Struktur und Stabilität von Küstenlebensräumen beitragen.
Wie schnell sich nach einer Wiederansiedlung neue Kohlenstoffvorräte im Sediment aufbauen, ist abhängig vom Standort und von den Bedingungen der jeweiligen Seegraswiese. Diese Aspekte werden aktuell in Forschungsvorhaben untersucht.
Forschungsschwerpunkte
Vom Mikrobiom bis zur öffentlichen Unterstützung
Die Wiederherstellung von Seegraswiesen ist komplex. Ihr Erfolg hängt von verschiedenen biologischen, ökologischen und gesellschaftlichen Faktoren ab: In den Forschungsprojekten werden deshalb unterschiedliche Aspekte untersucht - von den Wechselwirkungen zwischen Seegras und Mikroorganismen über Kohlenstoffspeicherung und Biodiversität bis hin zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Wiederansiedlungsprojekten.
CO₂-Speicherung
Seegraswiesen können Kohlenstoff aufnehmen und einen Teil davon langfristig im Sediment speichern. Wie groß diese Speicher sind und wie sie sich nach einer Wiederherstellung entwickeln, wird unter unterschiedlichen Standortbedingungen untersucht.
Biodiversität
Seegraswiesen bieten zahlreichen Organismen Nahrung und Lebensraum. Welche Arten von ihnen profitieren und welche Rolle die Wiesen für die Artenvielfalt spielen, ist abhängig von den jeweiligen regionalen Bedingungen.
Küstendynamik
Seegraswiesen beeinflussen die Bewegung von Wasser und Sediment. Ihre Blätter können Strömungen und Wellen abschwächen, während Wurzeln und Rhizome das Sediment stabilisieren können.